am Samstag, 14 April 2018

Die Beliebtheit von extrem kurzköpfigen Hunderassen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Rassen wie Mops, Bulldogge und Boston Terrier ziehen nicht nur vermehrt in Haushalte ein, sie sind auch die Stars in Werbekampagnen zahlreicher Firmen. Während im Register des größten englischen Rassezuchtverband im Jahre 2007 noch 692 Französische Bulldoggen verzeichnet waren, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2017 auf über 21,000 Tiere an. Auch im deutschen Haustierregister Tasso e.V. befindet sich die Französische Bulldogge unter den Top 5 der beliebtesten Rassen.

Bollerkopf

Das wäre nun alles kein Problem, wenn die kurzköpfigen Hunde nicht unter zahlreichen gesundheitlichen Problemen leiden würden. Die Schädel von Rassen wie Möpsen, Bulldoggen und Pekingesen sind im Vergleich zu normal geformten Köpfen wesentlich breiter und kürzer. Für das kindlich wirkende, rundliche Gesicht zahlen die Hunde einen hohen Preis.

Der kurze Schädel geht mit verformten und stark verengten Atemwegen einher. Die Tiere kriegen dadurch permanent zu wenig Luft. Eine offensichtliche Auswirkunge ist Atemnot, selbst bei geringer körperlicher Beanspruchung und Hitze. Weniger offensichtlich ist die Tatsache, dass die zu geringe Versorgung mit Sauerstoff zu Bluthochdruck und in Folge zu Herzschädigungen führt. Als Konsequenz der verformten Atemwege müssen die kurzköpfigen Hunde außerdem beim Einatmen mehr Kraft aufwenden als bei einem normal gebildeten Atemapparat. Dadurch werden der Kehlkopf und die Luftröhre in Mitleidenschaft gezogen. Sie erschlaffen durch die Belastung zunehmend, wodurch die Atmung zusätzlich behindert wird. Luftnot und Atemstillstände bis zum Erstickungstod können Resultat sein

Weiterhin leiden kurzköpfige Hunde sehr viel häufiger als andere unter Entzündungen der Atemwege. Fatalerweise scheint es eine Art Gewöhnungseffekt bei vielen Haltern dieser Hunde zu geben. In einer Studie nahmen über die Hälfte der Besitzer kurzköpfiger Hunde die deutlich rasselnden oder schnorchelnden Atemgeräuschen ihrer Hunde nicht mehr wirklich war. Trotz deutlicher, objektiver Auffälligkeiten gaben sie an, dass ihr Vierbeiner freiatmend wäre. Die Atemnot wird in diesen Fällen weder bemerkt noch behandelt.1

Neben den verformten Atemwegen sind bei den kurzköpfigen Rassen auch die Kiefer deformiert. Oft haben diese Hunde Zahnfehlstellungen, können nicht richtig kauen und beißen sich beim Fressen in das eigene Gewebe.

Diese Auswahl von mit der Kurzköpfigkeit einhergehenden Problemen verdeutlicht, dass die entsprechenden Tieren oft ihr Leben lang unter einem desolaten gesundheitlichen Zustand leiden.

Aufklärung

Neben der wachsenden Beliebtheit von extrem kurzköpfigen Hunden nehmen auch die kritischen Stimmen zu. Mehrere Vereine und Verbände wie die Bundestierärztekammer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz warnen vor dem Leid und kritisieren die Zucht und den Kauf solcher Tiere. Zudem wurde innerhalb der Bundestierärztekammer die “Arbeitsgruppe Qualzuchten” gegründet. Ziel der Arbeitsgruppe ist die Aufklärung von Tierhaltern über die Schmerzen und Qualen entsprechender Hunde, z.B. mittels Faltblättern

Trotz entsprechender Bemühung werden Rassen wie die Bulldogge oder Mops trotz vorhandener Qualzuchtmerkmale ungebremst gezüchtet und gekauft. Die zunehmende Menge an Informationen führt nicht zu weniger Interesse. Warum?

Wie Rassen beliebt werden

In einigen Untersuchungen sind bereits Faktoren identifiziert worden, die zur Beliebtheit einer Rasse beitragen. Dazu gehört die Medienpräsenz. Wird eine Hunderasse besonders oft in Film und Fernsehen oder als Werbeträger gezeigt, steigt die Beliebtheit.2 Weisen die Exemplare einer Rasse besonders menschliche, kindliche Züge auf, werden sie häufig als besonders attraktiv wahrgenommen.3 Dieses Phänomen trifft für die kurzköpfigen Rassen zu. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass öfter diejenigen Hundehalter Hunde mit kindlichem Erscheinungsbild bevorzugen, welche sich besonders stark mit ihren Hunden verbunden fühlen.4

Über das Warum

Um gezielt der Motivation hinter einer Rassewahl nachzugehen, analysierten Forscher die Angaben von 846 dänischen Besitzern der Rassen Chihuahua, Cairn Terrier, Französische Bulldogge und Cavalier King Charles Spaniel. Zwischen den unterschiedlichen Rassen gab es der Untersuchung zufolge auch unterschiedliche Kaufmotive.

Personen, die sich für den recht unpopulären und robusten Cairn Terrier entschieden, waren im Voraus maßgeblich an der Gesundheit und den rassetypischen Erkrankungen ihrer Wunschrasse interessiert. Anders sahen die Faktoren bei der kurzköpfigen, gesundheitlich stark belasteten Französischen Bulldogge aus. Hier spielte die zu erwartende Gesundheit keine große Rolle. Bezüglich der Rassewahl war der Umfrage zufolgen den Besitzern der Französischen Bulldoggen vor allen Dingen eines wichtig: Das spezielle, besondere Aussehen der Tiere. 5

In einer weiteren Umfrage ermittelten Wissenschaftler verschiedene Standpunkte englischer Hundehalter. Hierfür wurden diese vor, während und nach dem Erwerb ihrer Rassehunde befragt. Das Ziel dabei war ein Vergleich möglicher Einflüsse, die entweder zur Wahl eines kurzköpfigen oder eines normalköpfigen Hundes beigetragen haben. Personen, die sich für kurzköpfige Rassen entschieden, waren in der Untersuchung im Vergleich jünger, hatten häufiger Kinder im Haushalt und erwarben öfter erstmalig einen Hund. Zudem legten sie weniger Wert auf Sichtung der Elterntiere und hielten vermehrt auf Internetportalen Ausschau nach ihrem Wunschhund.

Auch bei dieser Umfrage ergab sich ein deutlicher Unterschied im Hinblick auf die Wertigkeit der Gesundheit. Im Gegensatz zu den Interessenten normalköpfiger Hunde waren den Interessenten für kurzköpfige Rassen mögliche Gesundheitsprobleme viel weniger wichtig. Sie interessierten sich auch weniger für medizinische Befunde des gewünschten Hundes und denen der Elterntiere. Und auch bei den befragten englischen Besitzern kurzköpfiger Rasse stand bei der Rassewahl das Aussehen der Tiere im Vordergrund.6

Fazit

Informationsquellen über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Leiden von Bulldoggen, Möpsen und Co. stehen zunehmend zur Verfügung. In zahlreichen Medien wird über die Qualen dieser Hunde aufgeklärt und von der Zucht und dem Kauf entsprechender Rassen abgeraten. Dennoch scheint es ungebremst etliche Interessenten für diese Hunde zu geben.

Mehrere Arbeiten haben gezeigt, dass vor allen Dingen die Optik entscheidend für den Kauf einer extrem kurzköpfigen Rasse zu sein scheint. Gesundheitliche Beeinträchtigungen scheinen schlichtweg uninteressant zu sein und keine Rolle zu spielen. Sind die gesundheitlichen Probleme für potentielle Käufer von geringer Bedeutung, hält auch die Aufklärung darüber nicht vom Erwerb eines solchen Hundes ab.

Möglicherweise bringen daher erst Zucht- und Ausstellungsverbote von extrem kurzköpfigen Hunden und strengere Rechtsvorschriften die so dringend erforderliche Wende für jene leidgeplagten Lebewesen.

Titelbild von Hornet 18


  1. Packer, R M A and Hendricks, A and Burn, C C (2012) Do dog owners perceive the clinical signs related to conformational inherited disorders as 'normal' for the breed? A potential constraint to improving canine welfare. ANIMAL WELFARE, 21. pp. 81-93. 

  2. Herzog H. Forty-two thousand and one Dalmatians: Fads, social contagion, and dog breed popularity. Soc Anim. 2006; 1(2006): 383–397 

  3. Archer J, Monton S. Preferences for infant facial features in pet dogs and cats. Ethology. 2011; 117(3): 217–226. 

  4. Hecht J, Horowitz A. Seeing dogs: Human preferences for dog physical attributes. Anthrozoös. 2015; 28(1): 153–163 

  5. Sandøe P,, Kondrup SV,, Bennett PC,, Forkman B,, Meyer I,, Proschowsky HF,, Serpell, JA,, & Lund, TB (2017). Why do people buy dogs with potential welfare problems related to extreme conformation and inherited disease? A representative study of Danish owners of four small dog breeds. PLOSOne  

  6. Packer, R. M. A., Murphy, D. & Farnworth, M. J. (2017) Purchasing popular purebreds: Investigating the influence of breed-type on the pre-purchase attitudes and behaviour of dog owners. Animal Welfare 26, 191-201