am Dienstag, 17 Oktober 2017

Der Körpergeruch enthält zahlreiche Informationen. Die Zusammensetzung des Geruchs kann so beim Menschen Auskunft über das Geschlecht, den emotionalen Zustand oder die genetische Verwandtschaft geben. Viele dieser geruchlichen Botschaften sind für uns zwar nicht bewusst wahrnehmbar, beeinflussen aber mitunter auf unbewusster Ebene unser Verhalten. Bei Ekel oder Angst enthält der Schweiß beispielsweise Geruchsstoffe, die andere Menschen unbewusst in einen Alarmzustand versetzen. Solche geruchlich übertragenen Botschaften werden als Chemosignale bezeichnet. 1

Chemosignale bei Hund und Mensch

Hunde haben im Vergleich zu uns einen außergewöhnlich guten Geruchssinn und kommunizieren mit Artgenossen auch häufig über geruchliche Botschaften. Mittels Urinmarkierungen hinterlassen sie für Artgenossen entschlüsselbare Botschaften. Dazu gehören Informationen über das Geschlecht oder den Läufigkeitsstatus. 2

Vermutlich haben nicht nur innerartliche Chemosignale eine Bedeutung. Unter Hundehaltern hört man oft die Vermutung, dass die Vierbeiner in der Lage wären, Angst zu riechen.
Einige Ergebnisse von Studien deuten tatsächlich darauf hin, dass geruchliche Informationen des Menschen auch das Verhalten des Hundes beeinflussen. Hunde scheinen laut einer im Jahr 2016 durchgeführten Untersuchung gestresst und mit beschleunigtem Puls auf den Geruch ängstlicher Menschen zu reagieren.3 Eine ebenfalls häufig geäußerte Annahme ist, dass die Emotionen des Menschen einen direkten Einfluss auf den Hund haben. Können emotionale Zustände wie Fröhlichkeit oder Ängstlichkeit auf den Hund mittels Geruch übertragen werden? Genau dieser Frage ist die der italienische Wissenschaftler Biagio D’Aniello mit seinem Team nachgegangen. 4

Achselschweiß für die Wissenschaft

Um eine mögliche geruchliche Übertragung von Emotionen zu analysieren, durften sich die Hunde einzeln für das Experiment frei in einem Raum bewegen. Dort wurde beobachtet, ob die Konfrontation der Tiere mit Geruchsproben einen Einfluss auf ihr Verhalten gegenüber dem Besitzer und einer fremden Person hatte. Die Geruchsproben stammten von Menschen in unterschiedlichen emotionalen Zuständen wie Fröhlichkeit und Ängstlichkeit.

Für die Geruchsproben wurde der Achselschweiß von Männern benutzt, welche die Forscher mittels Videoaufnahmen zuvor in einen ängstlichen oder fröhlichen Zustand versetzt hatten. Die in der Studie teilnehmenden Hunde bestanden aus 31 Labrador Retrievern und 9 Golden Retrievern. Neben dem Verhalten beobachteten die Forscher auch die Herzfrequenz der Hunde.

Angst und Stress

Wurden die Hunde der Geruchsprobe von Menschen im ängstlichen Zustand ausgesetzt, stieg ihre Herzschlag deutlich an. Ein solch deutlicher Anstieg der Herzfrequenz spricht für eine akut stressende Belastung. Weiterhin ist die schnellere Herzfrequenz mit einem Aktivieren des sogenannten sympathischen Nervensystems verbunden. Der Körper befindet sich dann in einem erhöhten Spannungszustand, um schneller auf tatsächliche oder nur gefühlte Bedrohungen reagieren zu können. Den Daten der Studie zufolge könnte der Geruch von verängstigten Menschen tatsächlich Stress bei Hunden auslösen. Dabei besteht die Gefahr, dass die gestressten, aufgeregten Vierbeiner impulsiver reagieren und schneller Angst- und Aggressionsverhalten zeigen. 5

Bei der vorliegenden Untersuchung war, ausgelöst durch den Angstgeruch, ein möglicher Hinweis für ängstlicheres Verhalten der Retriever zu beobachten. Sie zeigten weniger Erkundungsverhalten, blieben nah bei ihren Besitzern und nahmen weniger Kontakt mit der Fremdperson auf. Bei der Verhaltensbeobachtung konnten die Forscher zudem viele Stressanzeichen wie verstärktes Hecheln, Züngeln und angelegte Ohren erkennen.

Im Vergleich dazu verhielten sich die mit dem Geruch von fröhlich gestimmten Menschen bedufteten Tiere weniger gestresst. In dieser Situation waren die Hunde auch interessierter an der Fremdperson und erkundeten verstärkt den Aufenthaltsraum.

Fazit

Die Studie liefert einen weiteren Anhaltspunkt für die Fähigkeit von Hunden, tatsächlich Angst riechen zu können. Dass geruchliche Botschaften artübergreifend wahrgenommen und entschlüsselt werden, ist eher ungewöhnlich. Diese bemerkenswerte Gabe der Vierbeiner könnte im Verlauf der Domestikation entstanden sein. Auf jeden Fall verdeutlicht sie die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund.


  1. de Groot JH, Semin GR, Smeets MA (2017) On the communicative function of body odors: a theoretical integration and review. Perspect Psychol Sci 12:306–324 

  2. Thesen A, Steen JB, Doving KB (1993) Behavior of dogs during olfactory tracking. J Exp Biol 180:247–251 

  3. Siniscalchi M, d’Ingeo S, Quaranta A (2016) The dog nose “KNOWS” fear: asymmetric nostril use during snifng at canine and human emotional stimuli. Behav Brain Res 304:34–41 

  4. D’Aniello, B., Semin, G.R., Alterisio, A. et al.(2017) Interspecies transmission of emotional information via chemosignals: from humans to dogs (Canis lupus familiaris) Anim Cogn . https://doi.org/10.1007/s10071-017-1139-x 

  5. Bray EE, MacLean EL, Hare BA. Increasing arousal enhances inhibitory control in calm but not excitable dogs. Animal Cognition 2015; 18:1317-1329.