am Samstag, 11Feb2017 in der Gruppe Schlafende Hunde

Für unser Erinnerungsvermögen ist eine ausreichende Menge Schlaf äußerst wichtig. Gilt das auch für den Hund? Den Ergebnissen einer aktuellen Studie scheint das der Fall zu sein. In dieser Arbeit wurde erstmalig einem möglichen Zusammenhang zwischen Gedächtnis und Schlaf bei Hunden nachgegangen.

Lernen im Schlaf

Schlaf ist für nahezu alle Wirbeltiere ein überlebenswichtiger und somit absolut notwendiger Bestandteil des Lebens. Trotz seiner Wichtigkeit sind die Erkenntnisse über den Schlaf und seine Funktionen noch sehr begrenzt. Ein besonders intensiv erforschtes und viel diskutiertes Phänomen des Schlafes ist die sogenannte Gedächtniskonsolidierung. Informationen der Sinnesorgane kann das Gehirn an unterschiedlichen Orten speichern und bei Bedarf bewusst oder unbewusst wieder abrufen. Diese Fähigkeit, sich an Gefühle, Erlebnisse und Gelerntes zu erinnern, ist unter dem Namen Gedächtnis bekannt.

Erst im Langzeitgedächtnis verfestigte Informationen können langfristig behalten und abgerufen werden. An dieser Stelle scheint der Schlaf eine wichtige Rolle zu spielen. Zeitgleich Sinnesinformationen aufzunehmen und langfristig zu speichern, ist dem Gehirn nicht möglich. Für beides sind die gleichen Hirnregionen zuständig. Das eigentliche Speichern der Informationen geschieht erst dann, wenn das Gehirn keine Umweltreize mehr an den jeweiligen Stellen verarbeiten muss. Die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt der Schlaf. Während bestimmter Schlafphasen setzt sich das Gehirn nicht aktiv mit Umweltreizen auseinander, sondern rekapituliert das während der Wachzeit Gelernte und Erlebte. Durch diesen als Gedächtniskonsolidierung bezeichneten Vorgang verfestigen sich Informationen im Langzeitgedächtnis.

Wer Vokabeln gelernt hat, kann sich beispielsweise anschließend besser an sie erinnern, wenn zwischen Lernen und dem Abfragen eine erholsame Schlafphase liegt. Schlafmangel hingegen führt dazu, dass Lerninhalte schlechter gespeichert und abgerufen werden können.1

Die Notwendigkeit von Schlaf für die Bildung des Langzeitgedächtnisses wurde bisher vor allen Dingen bei Menschen und Nagern demonstriert.

Wenn Hunde Vokabeln lernen

Ein Forscherteam mit Mitgliedern des Family Dog Projects untersuchte jetzt, ob der Schlaf und seine einzelnen Phasen auch für das hundliche Langzeitgedächtnis eine Rolle spielen. Ähnlich wie wir hat auch der Hund Leicht-, Tief- und Traumschlafphasen. Die beiden letzteren sind bei Menschen wichtig für die Gedächtniskonsolidierung

Im ersten Experiment der Studie bekam ein Teil der Hunde eine Lernaufgabe, während der andere nur bereits bekannte Kommandos ausführte. Den darauffolgenden Schlaf beider Gruppen untersuchten die Forscher mittels Hirnstrommessung. Die Aufgabe der ersten Gruppe bestand darin, dass die Vierbeiner neue, englische Wörter für bereits bekannte ungarische Kommandos wie “Sitz” und “Platz” lernten. Etwas vermenschlicht ausgedrückt mussten die Hunde sozusagen Vokabeln pauken.

Je nachdem, ob die Hunde vor dem Schlaf etwas Neues lernten oder nicht, zeigten sich Unterschiede in der Gehirnaktivität während der Traum- und Tiefschlafphasen. So wiesen die Vierbeiner der Lerngruppe unter anderem einen intensiveren Tiefschlaf auf. Die ermittelten Abweichungen während des Schlafes wurden zuvor auch beim Menschen nach Lerneinheiten beobachtet. Sie stehen im Zusammenhang mit dem Speichern von Inhalten im Langzeitgedächtnis. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass wahrscheinlich ähnlich wie bei uns Menschen auch im Hundeschlaf wichtige Vorgänge zur Bildung des Langzeitgedächtnisses stattfinden.

Im zweiten Experiment der Studie teilten die Wissenschaftler die Hunde in vier Gruppen. Jede einzelne Gruppe lernte zunächst wieder neue Wörter für bereits bekannte Kommandos, worauf unterschiedliche Aktivitäten folgten. In der ersten Gruppe erhielten die Hunde nach der Lernphase einige Stunden Schlaf, die der zweiten Gruppe einen Spaziergang, Hunde der dritten Gruppe eine neue Lernaufgabe und in der vierten Gruppe durften sich die Vierbeiner nach dem Lernen mit Spielzeug beschäftigen.

Die Art der Aktivität nach der Lernphase hatte einen Einfluss auf das Lernergebnis. Als nach einer Woche die neu gelernten Wörter abgefragt wurden, konnten sich die Hunde der Schlaf-, Spazier- und Spielgruppe besser an das Gelernte erinnern. Die Gedächtnisleistung der Vierbeiner, die eine weitere Lernaufgabe nach der ersten bewältigen mussten, war deutlich schlechter.

Als Ursache für die Unterschiede werden auch hier Zusammenhänge zwischen dem Schlaf und der Gedächtnisbildung vermutet. Die neu gelernten Wörter konnten, während die Hunde in ihrem Zuhause schliefen, im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Der für das Speichern von Informationen notwendige Schlaf muss also nicht unmittelbar der Lerneinheit folgen, sondern kann auch zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Zwischenzeitliche Spieleinheiten und Spaziergänge scheinen keinen weiteren Einfluss zu haben.

Mehrere Lerneinheiten ohne Schlafpause scheinen hingegen einen negativen Effekt zu haben. Bekommt ein Hund neue Dinge vermittelt, ist eine direkt darauffolgende oder zu einem späteren Zeitpunkt stattfindende Schlafpause vor einer weiteren Lerneinheit wahrscheinlich wichtig. Im Schlaf wird dann das zuvor Gelernte im Langzeitgedächtnis gespeichert. Muss der Vierbeiner zu viel auf einmal ohne zwischenzeitliche Schlafpause lernen, verfestigen sich die Lerninhalte laut den Ergebnissen der Studie schlechter im Langzeitgedächtnis.2

Titelbild von Roan Retera.


  1. Sha Huang, PhD, Aadya Deshpande, BS, Sing-Chen Yeo, BS, June C. Lo, PhD, Michael W.L. Chee, MBBS, Joshua J. Gooley, PhD; Sleep Restriction Impairs Vocabulary Learning when Adolescents Cram for Exams: The Need for Sleep Study. Sleep 2016; 39 (9): 1681-1690. doi: 10.5665/sleep.6092 

  2. Kis et al. (2017). The interrelated effect of sleep and learning in dogs(Canis familiaris); an EEG and behavioural study. Scientific Reports7, 41873.