am Mittwoch, 20 April 2016

Suche Partner, biete Hundesabber, Fellflusen und romantische Ausflüge in den Hundesportverein. Ja, so ein Hund ist in vielen Bereichen des Lebens präsenter als der Gecko im Terrarium. Haben daher Hundebesitzer im Dating-Dschungel eher schlechte Karten? Oder macht am Ende so ein vierbeiniger Kumpan anziehender?

Dreimal höhere Chancen dank Hund

Erfolgsversprechende Strategien der Partnersuche sind regelmäßig das Thema in Fernsehsendungen und Unterhaltungszeitschriften. Im Fokus stehen dabei häufig Wege und Mittel, um an die Telefonnummer des potentiellen Schwarms zu gelangen. Damit wäre der erste wichtige Teilschritt für ein erfolgreiches Date absolviert und die zukünftige Romanze kann ihren Lauf nehmen.

Oft wird empfohlen, die angebetete Zielperson einfach und unverdrossen nach ihrer Nummer zu fragen. Ist es zielführend, diesem Hinweis zu folgen? Vermutlich nur dann, wenn ein vierbeiniger Begleiter dabei ist.

In einer französischen Universität spazierte zur Datenerhebung ein 20-jähriger Student durch belebte Fußgängerzonen. Seine Mission bestand darin, 18-25-jährige Studentinnen nach ihrer Telefonnummer zu fragen. Dabei verwendete er zu experimentellen Zwecken immer die folgende, eher weniger kreative Phrase:

Hallo. Mein Name ist Antoine. Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass ich dich ziemlich hübsch finde. Ich muss heut Nachmittag arbeiten, aber vielleicht kannst du mir ja deine Telefonnummer geben? Ich würde dich dann später anrufen und wir können uns dann irgendwo auf einen Drink treffen.

Insgesamt wurden 240 Frauen befragt. Wenn Antoine ohne Hund unterwegs war, gab ihm nur eine von zehn Frauen seine Nummer, obwohl es sich laut der Aussage mehrerer Studentinnen um einen sehr attraktiven Mann handelte.

In Begleitung eines Hundes verdreifachten sich jedoch seine Erfolgschance. Dank der hündischen Unterstützung bekam er mit dem identischen Spruch nun von 30 Prozent der Frauen die Telefonnummer. 1

Der Niedlichkeitsfaktor

Viele frischgebackene Welpenbesitzer kennen wahrscheinlich das Dilemma. Auf zwei Metern Gehweg möchten gefühlt 10 Leute den kleinen Hund anlocken, streicheln oder zumindest seine Aufmerksamkeit gewinnen. Ob Welpen wirklich über so eine Anziehungskraft verfügen, wurde von den Wissenschaftlern Fridlund und MacDonald in einem Experiment überprüft.

In der Studie mit dem Titel “Annäherungsversuche an einen Goldie” wurde ein den Wissenschaftlern nach “einvernehmlich niedlich aussehender Golden Retriever Welpe” mit jeweils einem Student und einer Studentin zum Spazierengehen auf das Universitätsgelände geschickt.

Dabei wurde festgestellt, dass Frauen im Gegensatz zu Männern verstärktes Interesse am ganz besonders jungen, noch sehr kindlich aussehenden Welpen zeigten.2

Auch in einer weiteren Untersuchung, bei der eine 25-jährige Studentin mit Hund ausgestattet wurde, wirkte ein Familienmitglied der Retriever als Magnet für Passanten. Sowohl mit einem Labradorwelpen als auch mit einem erwachsenen Labrador wurde sie wesentlich häufiger von ihren Mitmenschen angesprochen. 3

Bellos Bilder

In der Welt von Online Dating Plattformen, Tinder und Co. spielt das Profilbild natürlich eine große Rolle. Bei zwei Umfragen zeigte es sich für Männer von Vorteil, ihren Vierbeiner mit in Szene zu setzen. Laut dem Ergebnis einer Umfrage der mobilen Dating App Skout erhöhen Männer die Chance auf ein Treffen, wenn sie in ihrem Profilbild mit einem Hund zu sehen sind.4 Und auch in der Online Partnerbörse match.com fanden ca. 30 Prozent der Frauen Männer besonders attraktiv, wenn in ihrem Profil Bilder von ihren Hunden vorhanden waren.5

Die 1210 Singles umfassende Umfrage von match.com liefert noch weiteren interessanten Ergebnisse zum Thema Haustier und Dating.

  • 75% der Frauen und 54% der Männer würden niemanden daten, der Haustiere nicht mag
  • Ob das Haustier den potentiellen Partner mag oder nicht, spielt für 76% der Frauen und 60% der Männer eine wichtige Rolle
  • Fast die Hälfte der Frauen gab an, dass die Beurteilung des Partners zu großen Teilen darauf basiert, wie dieser sich gegenüber ihrem Haustier verhält
  • Die Wahrscheinlichkeit, den Hund bewusst zur Attraktivitätssteigerung zu präsentieren, ist bei Männern viermal höher als bei Frauen
  • 64% der Frauen und 49% der Männer finden Personen attraktiver,die ein Haustier aus dem Tierschutz aufgenommen haben
  • 72% der Frauen meinten, dass Hundebesitzer ganz speziell attraktiv sind

Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende

Anscheinend profitieren also ganz besonders partnersuchende Männer von ihrem Vierbeiner. Doch auch wenn der Hund das Finden der Liebe erleichtern kann, sorgt er in lang andauernden Beziehungen auch für Konfliktpotential. In vielen Fällen gibt es Konflikte um die Frage, wer mit dem Hund rausgehen muss, Streitigkeiten bezüglich der Erziehungsmethoden, Unstimmigkeiten über die Gabe zu vieler Leckerlies und das Schlafen des Hundes im Bett.6

Wer die potentiellen Konflikte umgehen möchte, kann immernoch auf die Partnersuche verzichten und stattdessen über die Anschaffung des Zweit-, Dritt- oder Vierthundes nachdenken.


  1. Fridlund, A. J. and MacDonald, M. 1998. Approaches to Goldie: A field study of human response to canine juvenescence. Anthrozoös 11: 95–100. 

  2. Guéguen, N., & Ciccotti, S. (2008). Domestic dogs as facilitators in social interaction: An evaluation of helping and courtship behaviors. Anthrozoös,21(4), 339-349. 

  3. Deborah L. Wells (2004) The facilitation of social interactions by domestic dogs, Anthrozoös, 17:4, 340-352 

  4. http://www.standard.co.uk/lifestyle/london-life/how-to-attract-your-match-online-9398183.html 

  5. Gray, P., Volsche, S. L., Garcia, J. R., & Fisher, H. E. (2015). The roles of pet dogs and cats in human courtship and dating. Anthrozoös, 28 (4), 673-683. 

  6. Elrick, Ashley, "Dog Ownership as a Catalyst of Conflict and Relationship Maintenance in Romantic Relationships (2014).Electronic Theses and Dissertations. Paper 4625.