2018 informierte die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA erstmals darüber, dass bestimmte Futtersorten möglicherweise die Herzerkrankung DCM auslösen könnten. Im Verdacht stehen dabei getreidefreie Hundefuttersorten und solche mit einem höherem Anteil an Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Hülsenfrüchten. Auch Hunderassen, die eigentlich selten an DCM, könnten laut Aussagen durch die entsprechenden Futtermittel erkranken.

Drei Jahre später sind zahlreiche Fragen zu dieser Problematik immer noch nicht beantwortet. Gibt es wirklich eine Häufung der Fälle oder sind die Fallmeldungen eher das Ergebnis einer verstärkten Wachsamkeit gegenüber Herzerkrankungen? Lassen Hundehalter/innen, welche die entsprechenden Futtersorten füttern ihren Hund tendenziell eher kardiologisch untersuchen? Wie viele Fälle gibt es außerhalb der USA? Welche Bestandteile des Futters sind für die DCM verantwortlich? Erste Studien sind zwar veröffentlicht, tragen aber wenig zur Klärung wesentlicher Fragen bei. Das gilt leider auch für die aktuellsten Veröffentlichungen zur potenziell ernährungsbedingten DCM.

Getreidehaltige vs. getreidefreie Fütterung bis zur Erkrankung

In einer aktuellen Studie werteten Wissenschaftler/innen die Daten von 67 an DCM erkrankten Hunden aus.1 Von Interesse waren dabei Zusammenhänge zwischen der Ernährungsform erkrankter Hunde und der Überlebensdauer. Sie verglichen hierfür den Krankheitsverlauf zwischen zwei Hundegruppen. Die erste Gruppe erhielt bis zur Diagnose eine der als kritisch bewerteten Futtersorten. Dazu gehören getreidefreie Futtersorten, Futtersorten mit Kartoffeln oder Süßkartoffeln und solche mit einem höheren Anteil von Hülsenfrüchten. Nach der Diagnose fütterten die Besitzer/innen getreidehaltige Sorten. Die zweite Gruppe wurde durchgängig mit getreidehaltigem Futter ernährt.

Folgende Annahme verfolgten die Forscher/innen in der Untersuchung: Wenn getreidefreies Futters bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielt, müsste ein Wechsel auf eine getreidehaltige Futtersorte den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Hierfür ist es wichtig, den Einfluss des Futterwechsels von den Effekten therapeutischer Medikamente zu trennen. Deswegen erfolgte der Vergleich mit einer Gruppe von Hunden, die neben der Medikation durchgängig getreidehaltiges Futter bekamen.

Der reine Vergleich beider Gruppen ergab bezüglich der Überlebensdauer keinen Unterschied. In einer zweiten Analyse schlossen die Forscher diejenigen Hunde aus, die bereits eine Woche nach der Diagnose verstarben. Unter Ausschluss dieser Tiere überlebte die vormals getreidefrei ernährte Gruppe nach dem Futterwechsel bedeutsam länger als die konstant mit Getreide ernährten Hunde (465 vs 263 Tage). Das Alter, ab welchem die Krankheit einsetzte, variierte auch im Zusammenhang mit der Ernährung. Die vormals getreidefrei ernährten Hunde erhielten ihre Diagnose im durchschnittlichen Alter von 6 Jahren, die der Getreidegruppe mit durchschnittlich 9,3 Jahren. Außerdem war das Risiko zu Versterben umso höher, je länger die Hunde zuvor mit getreidefreiem Futter ernährt wurden.

Insgesamt also alles Hinweise dafür, dass die getreidefreie Fütterung zu einer Entwicklung der DCM beitragen kann? Nicht wirklich. Denn die Studie weist zu viele Methodische Mängel auf.

Probleme, die zu geringer Aussagekraft führen

Die nachträgliche Änderung der Stichprobe, nämlich die Entnahme der Tiere die innerhalb der ersten Woche gestorben sind, hätte so nicht erfolgen dürfen.

Die einzelnen Futtersorten werden nicht genau aufgeschlüsselt. Während bei den verabreichten getreidefreien Futtersorten die groben Zutaten beschrieben werden, fehlen diese völlig für die getreidehaltigen Futtersorten. Wie soll eine bedeutsame Einfluss von Hülsenfrüchten auf die Herzgesundheit ermittelt werden, wenn möglicherweise getreidehaltige Futtersorten der Kontrollgruppe ebenfalls Hülsenfrüchte enthalten? Wieso blieb abermals die Hülsenfrucht Soja bei der Analyse vollkommen unberücksichtigt? Zusätzlich ist bei den vor 2017 erkrankten Hunden eine komplette Analyse der verabreichten Futtersorten gar nicht mehr möglich gewesen.

Eine besonders kritische Schwäche der Studie: Während 30 von 36 Hunden der vormals getreidefrei ernährten Hunde zur Therapie der DCM Taurin erhielten, bekam bei den durchgängig getreidehaltig gefütterten Hunden nur eines der Tiere Taurin. Es gibt also einen deutlichen Unterschied in der Behandlung der Gruppen. Die vorteilhafte Entwicklung des Krankheitsverlaufs in der vormals getreidefrei ernährten Gruppe könnte daher dem Taurin und nicht dem Futterwechsel zu verdanken sein. Auch wenn in beiden Gruppen nur eine Minderheit der Hunde einen niedrigen Taurinspiegel aufwies, kann Taurin trotzdem einen positiven Effekt auf die Herzgesundheit erzielt haben. Auf jeden Fall hätte dieser Unterschied unbedingt in der Datenauswertung berücksichtigt werden müssen.

Weiterhin interessant: Im Rahmen der ernährungsbedingten DCM wird immer wieder betont, dass Rassen erkranken, die sonst eher nicht unter DCM leiden. Ein rassebedingt und somit genetisch besonders hohes Erkrankungsrisiko besitzen der Dobermann und die Deutsche Dogge. In beiden Gruppen waren aber diese zwei Rassen auch am stärksten vertreten. Mit höherer Wahrscheinlichkeit ist bei diesen Hunden die getreidefreie Fütterung nur ein Nebenbefund und nicht die Ursache.

Außerdem gab es in der Gruppe der vermeintlich unbedenklichen Futtersorten mit Getreide auch Fälle von erkrankten Hunden untypischer Rassen, nämlich mehrere Labrador Retriever, ein Australian Sheperd und ein Whippet. Die Aussage, dass die DCM bei sonst selten betroffenen Rassen nur im Zusammenhang mit getreidefreier, hülsenfruchthaltiger Fütterung auftritt, ist so nicht haltbar.

Bedauernswerterweise wurde auch hier nicht der Kaloriengehalt der Futtersorten und eine mögliche Unterversorgung mit essentiellen Eiweißbestandteilen durch hochkalorische Futtermittel berücksichtigt.

Unterschiede der Herzgesundheit bei getreidefreier vs. getreidehaltiger Fütterung

Bei der zweiten aktuellen Veröffentlichung handelt es sich um eine sogenannte Querschnittsstudie.2 Dabei werden alle teilnehmenden Hundegruppen zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht und verschiedene medizinische Messwerte erhoben. Danach wird ermittelt, ob es bedeutsame Unterschiede der Messwerte zwischen diesen Gruppen gibt. Die Hundegruppen bestanden aus Tieren, die jeweils unterschiedlich ernährt wurden. Zum einen verglichen die Wissenschaftler/innen die Werte von Hunden, die ein getreidehaltiges Futter erhielten mit denen von Tieren, die ein getreidefreies Trockenfutter erhielten. Zum anderen wurde eine zweite Vergleichsgruppe aufgestellt. Der Vergleich erfolgte dabei zwischen Hunden, die entweder ein Futter mit Linsen, Erbsen oder Kartoffeln unter den ersten 10 Zutaten gefüttert bekamen oder solchen, bei deren Futter diese drei Zutaten in geringerem Maß oder gar nicht vorhanden waren.

Nur bei einem einzigen Messwert konnten die Forscher/innen einen bedeutsamen Unterschied feststellen. Sowohl die Hunde der getreidefrei ernährten Gruppe als auch diejenigen, die ein Futter mit Erbsen, Linsen oder Kartoffeln erhielten, wiesen im Gegensatz zu ihrer Vergleichsgruppe höhere Werte von kardialem Troponin I (cTNI) auf. Dabei handelt es sich um bestimmte Eiweißbestandteile, die bei Herzschäden vermehrt im Blut freigesetzt werden. Die Verwendung der Troponinwerte zur Beurteilung der Herzgesundheit ist bei Hunden noch relatives Neuland. Bisher gibt es nur kleine, einzelne Untersuchungen und Diskussionen bezüglich verschiedener Grenzwerte. Der Wert kann zudem durch verschiedenste Ursachen ansteigen, die erstmal wenig mit dem Herz zu tun haben, wie durch Zeckenerkrankungen, Nierenerkrankungen, anderweitigen Entzündungen oder höherem Lebensalter. Im Zusammenhang mit der DCM wurden bereits einige Studien veröffentlicht.

Zu beachten ist dabei: Alle Hunde der Futter- Studie wiesen im Herzultraschall keine Auffälligkeiten und Unterschiede bezüglich ihrerer Herzgesundheit auf. Der Troponinwert kann aber bei erhöhten Werten auf sehr frühe Phase der DCM hinweisen. Hier könnte die Vermutung abgeleitet werden, dass die im Vergleich erhöhten Werte bei Fütterung von Erbsen, Linsen und Kartoffeln darauf hindeuten, dass die Hunde später eine DCM entwickeln werden. In einer Studie entwickelten aber nur diejenigen, während des Untersuchungszeitraumes gesunden Dobermänner in den folgenden 1 ½ Jahren eine DCM, deren kardialer Troponin I Wert über 0,2 ng/ml lag. In der Literatur wird auch erst ein Grenzwert von über 0,2 ng/ml als relevant für Herzerkrankungen betrachtet.34 Die Zentralwert der getreidefrei ernährten Hunde befand sich in der Studie bei 0,076 ng/ml und bei der Erbsen-, Linsen- und Kartoffelgruppe bei 0,059 ng/ml. Die Schlussfolgerung der Forscher/innen lautet daher auch: Mit den derzeitigen Daten kann die Frage nicht beantwortet werden, ob die Troponin Erhöhungen überhaupt relevant für die Entstehung einer DCM sind und ob jene Hunde die Krankheit später entwickeln. Außerdem wurde nur ein Teil der Hunde weitergehend auf andere Krankheiten untersucht, die den Troponinwert erhöhen können.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Einteilung der Futtersorten in die verschiedenen Gruppen. Denn im Vergleich von getreidefrei ernährten Hunden mit den Tieren, die getreidehaltiges Futter bekamen, tauchen in der Liste der getreidehaltigen Sorten mehrere mit Linsen, Kartoffeln und Erbsen auf.

Fazit

Auch diese Veröffentlichungen vom Frühjahr 2021 tragen nicht wesentlich zur Klärung der Frage bei, ob getreidefreies und/oder hülsenfruchthaltiges Futter DCM verursachen kann. Da es bisher weder eine wirkliche Bestätigung noch Entwarnung gibt, bleibt das Warten auf aussagekräftigere Daten und Analysen. Unbestreitbar ist jedoch der Wert einer frühen Entdeckung der Krankheit, da eine frühzeitige Behandlung der DCM den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Die regelmäßige Rücksprache mit den Tiermediziner/innen des Vertrauens und ein waches Auge auf Symptome von Herzerkrankungen sind im Sinne der Herzgesundheit nie verkehrt. Mehr Informationen zum Troponin Wert in der Diagnostik von Herzerkrankungen sind hier zu finden. Möglicherweise bietet eine regelmäßige Kontrolle dieses Wertes außerdem die Option, bei der Verfütterung von den als potenziell kritisch eingestuften Sorten Tendenzen einer DCM frühzeitig zu erkennen.


  1. Walker, A. L. et al. (2021) Association of diet with clinical outcomes in dogs with dilated cardiomyopathy and congestive heart failure. Journal of Veterinary Cardiology. Elsevier. doi: 10.1016/J.JVC.2021.02.001. 

  2. Adin, D. et al. (2021) Effect of type of diet on blood and plasma taurine concentrations, cardiac biomarkers, and echocardiograms in 4 dog breeds. Journal of Veterinary Internal Medicine. John Wiley & Sons, Ltd, p. jvim.16075. doi: 10.1111/jvim.16075. 

  3. Sleeper MF, Clifford CA, Laster LL: Cardiac Troponin I in the Normal Dog and Cat. J Vet Intern Med, 15, 501-503, 2001. 

  4. Wess, Gerhard & Simak, J & Mahling, Monia & Hartmann, Katrin. (2010). Cardiac Troponin I in Doberman Pinschers with Cardiomyopathy. Journal of veterinary internal medicine / American College of Veterinary Internal Medicine. 24. 843-9. 10.1111/j.1939-1676.2010.0516.x.