Von Arthrose, einer schmerzhaften Gelenkerkrankung, sind leider viele Hunde betroffen. Ursache für die Krankheit ist oft eine Fehlstellung der Gelenke. Besonders die Hüftgelenke weisen häufiger Fehlbildungen auf, wodurch es zu fortschreitender Zerstörung der Gelenkknorpel kommt. Die sogenannte Hüftdysplasie, kurz HD, kann nicht geheilt werden. Dennoch stehen Therapien zur Verfügung, die den Hunden zu einem schmerzfreieren Leben verhelfen können. Ein häufig beworbenes Verfahren zur Schmerzlinderung bei Arthrose und insbesondere Hüftgelenksdysplasie ist die Goldakupunktur oder Goldimplantation.

Wie funktioniert die Goldakupunktur

Das Grundprinzip der verschiedenen Verfahren ist zunächst gleich: Kleine Goldstückchen werden mit einer Hohlnadel zum dauerhaften Verbleib in die Muskulatur, in Gelenkzwischenräume oder unter die Haut eingebracht. Die Methoden weisen nur geringfügige Unterschiede auf. Umso größere Unterschiede gibt es hingegen bei den Begründungen, wie und warum die Goldstückchen wirken.

Der amerikanische Tierarzt Terry Durkes begann 1957 als erster mit der Goldtherapie beim Hund. Er begründet die Wirksamkeit der Goldakpunktur auf zwei Arten. Einerseits würden erfahrene Therapeutinnen Engergie-Imbalancen des Körpers spüren. Der Puls der behandelnden Person verändert sich den Angaben zufolge an Störstellen, in denen dann die Goldstücke eingebracht werden. Dieser Ansatz basiert laut Tierarzt Durkes auf der traditionellen, chinesischen Medizin. Zusätzlich besteht laut seinen Aussagen in erkrankten Gelenken eine übermäßig negative elektrischen Ladung. Diese soll durch die Goldstücke neutralisiert werden und so Schmerzen lindern. Im Falle der Hüftdysplasie führt die Goldakupunktur nach ein bis drei Wochen zusätzlich dazu, dass sich Muskeln und Bänder im Gelenkbereich straffen. Ein Fortschreiten der Arthrose wird den Aussagen zufolge dadurch gebremst.1

Eine Weiterentwicklung der Methode erfolgte durch den dänischen Tierarzt Jens Klitsgaard. Seiner Meinung nach spielen bestimmte Akupunkturpunkte für den Behandlungserfolg keine Rolle. Wichtig wäre nur, die Goldstücke so nah wie möglich an der Gelenkkapsel zu platzieren. Auch er begründet den Wirkmechanismus mit der goldbedingten Veränderung der elektrischen Ladung in erkrankten Gelenken.2

Auch diverse Tiermediziner:innen im deutschsprachigen Raum verwenden seit einiger Zeit Gold zur Arthrosetherapie. Darunter auch Dr. Zohmann, der eine ganz andere Erklärung zur Wirkung des Goldes vertritt. Er gibt an, Gold sei schmerzlindernd, weil es den ph-Wert im Gewebe des Körpers neutralisiert und dadurch schmerzfördernde Stoffe deaktiviert werden.3

Dr. Rosin verwendet neben Goldstückchen auch Platin, Weißgold oder Silber. Den Wirkmechanismus sieht er im andauernden Akupunkturstimulus durch die Implantate entstehen würde. Den Angaben zufolge schüttet der Körper dadurch schmerzhemmende Stoffe aus. Welches Material genau zum Einsatz kommt, wird mittels des alternativmedizinischen Verfahrens der Kinesiologie bestimmt.4

Statt kleiner Goldstücke verwendet der deutsche Tierarzt Dr. Horch kleine Goldspindeln. Durch die größere Oberfläche soll sich der entzündungshemmende Effekt des Goldes verbessern.5

Insgesamt wird die Wirkungsweise der eingesetzten Goldstücke selbst durch die Behandler/innen auf unterschiedlichste Arten begründet. Während einige Tiermediziner/innen den schmerzlindernden Effekt auf die Dauerstimulation von Akupunkturpunkten zurückführen, halten andere den entzündungshemmenden Effekt von Goldionen dafür verantwortlich. Eine ganz andere Erklärung besteht in der Vermutung, das Gold würde die elektrische Ladung im Gelenk verändern. Hier zeigen sich auch bereits die ersten Widersprüche. Je nach Begründung der Wirkung wird das Treffen spezifischer Akupunkturpunkte als absolute Grundvoraussetzung für eine effektive Behandlung gesehen. Mediziner/innen, die eine andere Auffassung vertreten, halten spezielle Punkte in keinster Weise für eine Schmerzlinderung relevant. Auffallend ist außerdem, dass im Zusammenhang mit der Goldakupunktur öfter pseudowissenschaftliche Verfahren wie die Kinesiologie oder Pulsdiagnostik zur Anwendung kommen.6

Warum Studien zur Goldakupunktur wichtig sind und Erfahrungen nicht ausreichen

Die Angaben zum Erfolg der Goldakupunktur zur Behandlung der Hüftdysplasie sind zunächst überwältigend. Die Ergebnisspannweite reicht von uneingeschränkter Mobilität bis zu dauerhafter Schmerzlosigkeit und sogar der langanhaltenden Vorbeugung von Knorpelschäden im Sinne einer Arthrose. Oft wird von implantierenden Tiermediziner/innen bezüglich dauerhafter Schmerzfreiheit über eine Erfolgsquote von 90 und mehr Prozent berichtet, gerade wenn die Goldimplantation früh zum Einsatz kommt. Damit würde es sich um eines der absolut erfolgreichsten Verfahren zur Therapie der Hüftdysplasie bei Hunden handeln.

Warum reichen die Angaben zur Wirksamkeit der Goldbehandlung von den therapierenden Veterinären nicht aus? Weil sie nur eine eingeschränkte Aussagekraft haben. Um die Wirksamkeit eines Verfahrens, in diesem Fall der Goldakupunktur, beurteilen zu können, sind randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studien notwendig. In so einer Untersuchung werden die Hunde in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhält die tatsächliche Behandlung, die andere nur eine Scheinbehandlung. Weder die Hundebesitzer/innen noch Tiermediziner/innen wissen, in welcher Gruppe sich ein individueller Hund befindet. Sie beurteilen den Behandlungserfolg somit “blind” in Unkenntnis darüber, ob der Hund die Therapie bekommen hat oder nicht. Das ist wichtig, weil allein die Hoffnung auf die Wirksamkeit einer Therapiemethode dazu führen kann, dass Verbesserungen gesehen werden. Dafür müssen diese real gar nicht existieren. Dieses Phänomen ist bekannt unter dem Namen “Caregiver Placebo Effekt” bekannt und tritt bei der Beurteilung vom Zustand des Bewegungsapparates besonders deutlich auf.7 Zusätzlich ist der Krankheitsverlauf bei einer Hüftdysplasie oft stark schwankend und teils schwer vorhersehbar. Phasen mit stärkeren Beschwerden wechseln sich mit teils lang andauernden beschwerdefreien Zeiträumen ab.

In einer Studie wurde die Entwicklung von 68 jungen Hunden mit Hüftdysplasie verfolgt. Selbst bei mittelschweren Ausprägungsgraden der Hüftdysplasie wies der Großteil der Hunde im Alter von vier Jahren nur ganz geringe Anzeichen von Hüftarthrose auf. Auch wenn bei einer HD Beschwerden in Form von Lahmheiten im Alter von 3 bis 6 Monaten auftreten, bessern oder verschwinden diese in vielen Fällen durch eine sogenannte konservative Therapie. Dabei erfolgt kein chirurgischer Eingriff, sondern ein Programm aus Schonung, Physiotherapie und Gewichtsmanagement. Auch spontane Verbesserungen nach Beendigung des Wachstums sind treten häufig bei dieser Erkrankung auf. Grund für diese Verbesserungen ist vermutlich die Heilung von kleinen Mikrofrakturen, die während des Wachstums der fehlgebildeten Hüftgelenke auftreten und eine verdickte Gelenkkapsel, die mehr Halt bildet.89

Der Krankheitsverlauf der HD kann also von spontanen Verbesserungen, längeren beschwerdefreien Phasen und einem sehr schwankenden Beschwerdebild gekennzeichnet sein. Fällt so eine plötzliche Verbesserung zufällig mit einer Therapiemaßnahme zusammenfällt, könnte diese fälschlicherweise der Therapie zugeschrieben werden. Daher sind Studien mit einer nur zum Schein therapierten Kontrollgruppe unbedingt notwendig. Um herauszufinden, ob eine Therapie wirklich eine bedeutsame Verbesserung bringt, muss sie bessere Ergebnisse aufweisen als die der Kontrollgruppe.

Studien zur Wirkung und zu Nebenwirkungen der Goldakupunktur

Insgesamt gibt es bisher drei Veröffentlichungen zur Goldakupunktur.101112 In der ersten Doppelblindstudie zur Goldbehandlung von Hüftdysplasie wurden sogenannte Kraftmessplatten verwendet. Diese geben objektiv Aufschluss darüber, wie stark der Hund einzelne Gliedmaßen belastet oder schont. Als Teilnehmer rekrutierten die Forschenden Hunde mit mittelschwerer bis schwerer Hüftdysplasie, bei denen sämtliche andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Sowohl die behandelten Tiere als auch die mit einer Scheintherapie zeigten nach einem und drei Monaten keine bedeutsamen Unterschiede hinsichtlich der Gliedmaßenbelastung. Die durch Schmerzen entlasteten Beine schonten die Hunde also nach wie vor trotz Goldakupunktur. In der Gruppe mit Goldstücken traten sogar messbare Verschlechterungen in der vertikalen Bodenreaktionskraft auf. Diese Verschlechterung könnte laut Autoren mit einer durch das Gold ausgelösten Entzündungsreaktion des Gewebes erklärt werden. 10

In einer zweiten, von Hielm-Björkman geleiteten Studie, untersuchten die Forscher/innen 38 in Behandlungs- und Placebogruppe eingeteilte Hunde. Alle teilnehmenden Vierbeiner litten unter Hüftdysplasie. Das Gangbild und die Schmerzen beurteilten sowohl die Besitzer/innen als auch Tiermediziner/innen. Auch in dieser Arbeit ergab sich keine deutliche Verbesserung und Abnahme der Schmerzsymptome in beiden Gruppen. Die Untersuchungen erfolgten dabei 12 Wochen und 24 Wochen nach der Behandlung. Eine Verschlechterung stellten die untersuchenden Personen bei 18 Prozent der Placebogruppe fest, während dieser Anteil bei den Goldhunden 29 Prozent betrug. 11

In der aktuellsten Veröffentlichung aus dem Jahr 2006 startete die Untersuchung zunächst als verblindete Studie, welche die Forschenden jedoch nach 6 Monaten jedoch “entblindeten”. Somit wussten die Besitzer/innen und Tiermediziner/innen nach 6 Monaten, ob der jeweilige Hund eine Goldakupunktur bekommen hatte oder nicht. Sowohl in der Gold- als auch Placebogruppe konnten die beurteilenden Personen Verbesserungen der Schmerzhaftigkeit und Bewegungsfreude verzeichnen. Das ist hinsichtlich des jungen Alters vieler teilnehmenden Hunde nicht verwunderlich. Erst nach 6 Monaten zeigte sich bei der Goldgruppe eine verringerte Schmerzhaftigkeit und geringere Lahmheit. Der deutliche Vorteil ging jedoch nach 24 Monaten verloren. Die mit einer Goldakupunktur behandelte Gruppe zeigte keine starke Verbesserung des Lahmheitszustandes oder gar Symptomlosigkeit. Darüberhinaus schätzten die Besitzer/innen die Lebensqualität der Placebohunde im Mittel sogar als besser ein. Von 34 der zu Studienbeginn lahmenden und mit Gold therapierten Hunde, lahmten nach 24 Monaten immer noch erschreckende 53 Prozent. Bei 4 Hunden erfolgte sogar eine Einschläferung, bedingt durch die starken Schmerzen.

Eine weitere Entdeckung der Studie: Die Schädigung des Gelenkknorpels, also das Fortschreiten der Arthrose in der Hüfte, nahm bei 80 Prozent der mit Gold behandelten Hunde innerhalb von 24 Monaten deutlich zu.12

Fazit

Auch wenn mit Gold therapierende Tiermediziner/innen und Erfahrungsberichte von äußerst hohen Erfolgsquoten berichten: Die enthusiastischen Ergebnisse durch eine Implantation von Goldstücken zur Behandlung einer Hüftdysplasie konnten in keiner einzigen aussagekräftigen Studie untermauert werden. Je objektiver die Methoden zur Erfassung des Schmerzzustandes und des Gangbildes waren, desto schlechter hat die Goldimplantation oder Goldakupunktur abgeschnitten. In allen Studien kam es auch bei einigen Hunden trotz Goldbehandlung zu deutlichen Verschlechterungen. In zwei Studien gab es keine bedeutsame Verbesserung durch die Goldbehandlung. Die in einer dritten Arbeit ermittelten Behandlungserfolge durch die Goldakupunktur beziehen sich vorrangig auf eine gewisse Reduktion des Hüftschmerzes. Bezüglich der Gliedmaßenentlastung und notwendigen Verabreichung von Schmerzmitteln ergaben sich nach 24 Monaten keine Unterschiede im Vergleich zu den unbehandelten Hunden.


  1. Durkes T. Gold bead implants. Probl Vet Med 1992; 4: 207–211. 

  2. Klitsgaard, J. (1996): Goldimplants, practical experiences with 400 hip dysplasia cases in the dog. 22nd Annual Internat. Congr. Vet. Acup., 5.– 8. th Sept 1996, Loetschberg, Schweiz, 1– 5. 

  3. Zohmann, A., Kasper, M. (2002): Goldimplantation oder Goldakupunktur. Hunde Revue 11/ 2002, 48– 50. 

  4. tierarzt-rosin.de/en/gold-acupuncture/ 

  5. dr-horch.de/goldimplantation 

  6. https://link.springer.com/article/10.1007/s00508-020-01625-w 

  7. Innes JF, Fuller CJ, Grover ER, et al. Randomised, double-blind, placebo-controlled parallel group study of P54FP for the treatment of dogs with osteoarthritis. Vet Rec 2003;152:457–460 

  8. Audrey MR and Cindy LF (1995). Treatment of canine hip dysplasia: A review. The Canadian Veterinary Journal, 36: 503-509.  

  9. Harper, T. A. M. (2017). Conservative Management of Hip Dysplasia. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 47(4), 807–821. 

  10. Bolliger C, DeCamp CE, Stajich M et al. Gait analysis of dogs with hip dysplasia treated with gold bead implantation acupuncture. Vet Comp Orthop Traumatol 2002; 15: 116–122 

  11. Hielm-Björkman A, Raekallio M, Kuusela E, Saarto E, Markkola A, Tulamo RM. Double-blind evaluation of implants of gold wire at acupuncture points in the dog as a treatment for osteoarthritis induced by hip dysplasia. Vet Rec 2001; 149: 452–456 

  12. Jaeger GT, Larsen S, Søli N, Moe L. Double-blind, placebo-controlled trial of the pain-relieving effects of the implantation of gold beads into dogs with hip dysplasia. Vet Rec 2006 ;158: 722–726