Die Arthrose ist eine beim Hund häufig auftretende Erkrankung der Gelenke. Etwa 20 Prozent der Vierbeiner, welche gerade das erste Lebensjahr überschreiten, besitzen bereits mindestens ein von Arthrose betroffenes Gelenk. Oft entsteht Arthrose als Folge von Fehlstellungen und Überlastungen des Bewegungsapparats. Diese sorgen für einen zunehmenden Verschleiß der Knorpelschicht, welche die Gelenke von innen auskleidet.

Die fortschreitende Zerstörung der Gelenkknorpel führt zu Schmerzen und behindert einen normalen Bewegungsablauf. Beides führt in vielen Fällen zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität. Leider gibt es nach wie vor keine Möglichkeit, eine Arthrose ursächlich zu heilen. Überwiegend gibt es nur die Möglichkeit, die Schmerzen möglichst zu lindern und durch verschiedene Therapiemaßnahmen die fortschreitende Verschlimmerung zu verlangsamen.

Kampf gegen die Schmerzen

Die Schmerzwahrnehmung von Tieren ähnelt der von Menschen. Ein Hund leidet also genauso wie wir bei schmerzhaften Zuständen. Schlimmer noch: Er kann nicht verstehen, warum er Schmerzen hat und weiß nicht, was er dagegen tun kann. Die Vierbeiner sind deswegen abhängig von ihrem Halter, der die Schmerzen erkennen und behandeln lassen muss. Besonders etabliert und nachweislich schmerzlindernd ist die Therapie mit sogenannten Entzündungshemmer. Hierbei handelt es sich um Schmerzmittel, welche schmerz- und entzündungsfördernde Stoffe eindämmen. Leider haben diese Substanzen auch Nebenwirkungen, auf welche die individuellen Hunde unterschiedlich stark reagieren. Sie können den Magen- und Verdauungstrakt angreifen und langfristig die Leber und Niere belasten.

Diese potentiellen Nebenwirkungen sind eine der wichtigsten Gründe dafür, dass Besitzer von Arthrose geplagten Hunden nach Alternativen für die klassischen Entzündungshemmer suchen. Auf dem Markt sind zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel zu finden, welche die Schmerzen der betroffenen Hunde lindern und deren Beweglichkeit verbessern sollen. Zunehmend Verwendung findet dabei das sogenannte Kollagen bzw. Kollagenhydrolysat.

Kollagenhydrolysat

Der Körper von Menschen und Tieren fällt nicht auseinander, weil die unterschiedlichen Strukturen durch faserbildende Eiweißstoffe zusammengehalten werden. Dabei spielt das sogenannte Kollagen die wichtigste Rolle. Es ist in größeren Mengen in den Knochen, Sehnen, Knorpeln sowie im Bindegewebe zu finden und verleiht dem Körper Festigkeit. Kollagen ist auch der Hauptbestandteil von Gelatine, welche als Gelier- und Verdickungsmittel von Speisen dient.

Kollagen soll als Nahrungsergänzungsmittel den bei einer Arthrose geschädigten Knorpel wieder aufbauen. Um möglichst gut vom Körper verwertet werden zu können, liegt das Kollagen bei Nahrungsergänzungsmitteln oft in hydrolysierter Form vor. Das Kollagens wird dabei in seine kleinstmöglichen Bestandteile zerlegt, um einfach und schnell vom Darm in den Blutkreislauf zu gelangen. Von dort aus erreicht das Kollagen dann die Knorpel und regt diesen der Theorie zufolge zur Bildung neuer Knorpelzellen an. Durch das regenerierte Knorpelgewebe hat der Hund dann möglicherweise weniger Schmerzen, eine verbesserte Funktion der Gelenke und folglich wieder mehr Lebensqualität

Studie zu Kollagenhydrolysat

In einer Studie wurde nun näher geprüft, ob Kollagenhydrolysat Hunden mit Arthrose zu weniger Schmerzen und verbesserter Beweglichkeit verhilft. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler anhand spezieller Bestandteile im Blut der Hunde, ob das Kollagenhydrolysat den Knorpelabbau stoppen oder verzögern kann. Die Arbeit erfüllt viele der für eine sinnvolle Schlussfolgerung notwendigen Anforderungen.

Alle der teilnehmenden Hunde wurden per Zufall den zwei Gruppen der Studie zugeordnet. Die eine Gruppe erhielt ein Trockenfutter, welches Kollagenhydrolysat, Kurkuma und Grünen Tee Extrakt als Zusätze enthielt. Die andere Gruppe wurde mit einem identisch aussehenden Futter ohne diese Zusatzstoffe gefüttert. Sowohl die Besitzer als auch die untersuchenden Tierärzte wussten nicht, in welcher Gruppe sich der individuelle Hund befand. Das verhindert mögliche Einflüsse, die durch positive Erwartungen gegenüber den Zusatzstoffen entstehen. Denn wie Halter oder Ärzte den Schmerzzustand des Hundes beurteilen, wird oft maßgeblich durch deren Erwartungshaltung beeinflusst. Mitunter sehen beispielsweise die beurteilenden Personen Verbesserungen des Gangbildes, die aber real gar nicht existieren. Sie sind das Resultat von der Hoffnung auf Heilung und vom Glauben an die Wirksamkeit des jeweiligen Nahrungszusatzes.

Um den Grad der Schmerzen zu überprüfen, verwendeten die Wissenschaftler in der Untersuchung daher zwei objektive Messverfahren. Diese minimieren die durch die verzerrte menschliche Wahrnehmung entstehenden Einflüsse.

Schmerzmessungen

Damit die Hunde an der Studie teilnehmen konnten, mussten sie mehrere Kriterien erfüllen. Zu denen gehörte eine durch Röntgenbilder nachgewiesene Arthrose an mindestens einem Bein und Schmerzsymptome wie deutlich eingeschränkte Beweglichkeit des jeweiligen Gelenks oder Lahmheiten. Mittels Allgemein-, Blut-, und Urinuntersuchung wurden andere Erkrankungen als die Arthrose vor Studienbeginn ausgeschlossen.

Bei allen 48 teilnehmenden Hunden erhoben die Forscher, Tierärzte und Tierbesitzer vor Studienbeginn den Schmerzgrad. Die Halter der Hunde bewerteten den allgemeinen Bewegungsumfang, die empfundene Lebensqualität und wie gut die Vierbeiner laufen, aufstehen oder klettern konnten.Die Tierärzte, bestehend aus zwei Orthopäden, beurteilten nach festgelegten Protokollen, wie stark bei den Hunden Lahmheiten, Schmerzen beim Abtasten und der Bewegungsumfang der Gelenke ausgeprägt waren.

Weiterhin wurde die Entlastung einzelner, schmerzender Gliedmaßen auf sogenannten Kraftmessplatten untersucht. Im Blut der Hunde überprüften die Wissenschaftler zudem zwei Stoffe, welche Aufschluss über den mit der Arthrose in Verbindung stehenden Knorpelabbau geben. Solche Substanzen, die Aufschluss krankhafte Vorgänge im Körper geben können, werden Biomarker genannt.

Futtern für die Wissenschaft

Die Besitzer der Hunde mussten in beiden Gruppen ein strenges Fütterungsprotokoll durchhalten. Sie durften neben dem Testfutter keine weiteren Nahrungsmittel oder Medikamente verabreichen. Der Grad an Schmerzen der Hunde wurde dann vor Beginn der Studie und drei Monate nach täglicher Verabreichung des entsprechenden Futters kontrolliert. Wären die Nahrungsergänzungsmittel Kollagenhydrolysat, Kurkuma oder Tee-Extrakt wirksam, müssten merklich verringerte Schmerzsymptome und ein verlangsamter Knorpelabbau feststellbar sein. Die Dosierung des Kollagenhydrolysats im Testfutter entsprach mit 4,27 g pro 1000 Kilokalorien den gebräuchlichen Empfehlungen dieses Mittels für Hunde mit Gelenkerkrankungen.

Ergebnis

Nachdem die Hunde der einen Gruppe drei Monate lang die Zusatzstoffe erhielten, zeigte sich bei der Messung auf den Kraftmessplatten kein verbessertes Gangbild. Das Kollagenhydrolysat sorgte hier also nicht für eine so objektiv messbare Verringerung der Schmerzen. Auch konnte im Blut kein verringerter Knorpelabbau nachgewiesen werden, was gegen eine Regeneration des Knorpelgewebes durch Kollagenhydrolysat spricht.

Auch bei Untersuchung durch die Orthopäden gab es keine Verbesserung in beiden Gruppen bezüglich des Bewegungsumfangs der Gelenke oder des Schmerzlevels beim Abtasten. Die Besitzer stellten allerdings fest, dass einige der Hunde besser aufstehen konnten.

Fazit

Eine objektive Verringerung von arthrosebedingten Schmerzen durch Kollagenhydrolysat konnte in dieser Studie nicht festgestellt werden. Ebenso gab es keine nachweisliche Regeneration oder einen verringerten Abbau des Knorpels. Umfassend gültige Antworten, wie und ob Kollagenhydrolysat Hunden mit Arthrose helfen kann, gibt es derzeit leider noch nicht. Wie bei vielen Nahrungsergänzungsmittel fehlen für die beworbenen Auswirkungen aussagekräftige Belege. Daher ist derzeit noch Skepsis bei den Heilsversprechen durch Kollagenhydrolysat angebracht. Zudem besteht die Gefahr, durch den Placebo by Proxy Effekt anzunehmen, dem Hund ginge es besser, obwohl dies nicht der Fall ist. 1

Titelbild: Frans Schouwenburg


  1. Comblain, F., Barthélémy, N.P., Lefebvre, M.D., Schwartz, C., Lesponne, I., Serisier, S., Feugier, A., Balligand, M.H., & Henrotin, Y.E. (2017). A randomized, double-blind, prospective, placebo-controlled study of the efficacy of a diet supplemented with curcuminoids extract, hydrolyzed collagen and green tea extract in owner’s dogs with osteoarthritis. BMC veterinary research. 

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